Sonnige Aussichten

In der vergangenen Woche hatte ich ein Erlebnis, das wieder einen ganzen Rattenschwanz an Wörtern hinter sich hergezogen hat.

Ich war beim Radio. Eingeladen für eine Stippvisite in unseren regionalen Sender hier in Bayreuth als „Mensch des Tages“. Ich glaube weder ich noch mein Gegenüber – der zuständige Chefredakteur des Senders – hatten irgendeinen Plan, was genau auf uns zu kommt und was draus werden wird. Wenn ich ganz allein von mir ausgehe, dann hatte ich eine ganz wundervolle Mittagspause dort. Ein tolles Gespräch. Eines, das mir mal wieder gezeigt hat, warum ich das überhaupt mache…das Ding mit dem Buch…und das Beste überhaupt, dass ich es auch noch gern mache. Dass ich  merke, wie sehr mich solche Termine, die ich eigentlich gar nicht als „Termin“ empfinde, bestärken und mir meinen Weg zeigen. Mit leicht klopfendem Herzen bin ich in die Redaktion und breit strahlend ob der guten Zusammenarbeit und des tiefgehenden Gesprächs wieder raus. Ja, Anja, genauso. Ich weiß, dass vor allem meine Mutter sich Sorgen macht. „Anja, kannst du nicht noch ein anderes Buch schreiben und darüber reden? Nicht immer nur über den Tod…“. Ich kann sie schon verstehen. Sehr sogar. Manchmal ist es wirklich nicht einfach, aber irgendwie wühle ich mich da schon durch. Und vielleicht schreibe ich ja wirklich noch ein anderes Buch – wer weiß…

Dann wurde mein Interview am Donnerstagnachmittag gesendet und meine sämtlichen sozialen Kanäle standen nicht mehr still. Wow. Überwältigend welche Reaktionen es auf den kurzen Zweiteiler gab.

Hier für alle Interessierten das kurze Video, dass ebenfalls spontan mit dem Handy aufgenommen wurde:

http://www.mainwelle.fm/news/christian-hoereth-show-der-mensch-des-tages-50349

Und wer mag, kann auch hier kurz reinhören…

Am schönsten für mich ist, immer wieder zu sehen, wie dankbar mein Buch angenommen wird. Wie oft mir Menschen schreiben, dass ich mit meiner Art und meiner Sichtweise die Angst vor dem Tod nehmen konnte oder aber auch zeigen kann, dass es einen guten Weg nach dem Verlust eines geliebten Menschen geben kann.

Ich gebe zu, dass die letzten Wochen auch bei mir nicht immer eitel Sonnenschein waren und ich immer wieder vor ganz persönliche Herausforderungen gestellt werde. Und ich mir in bestimmten Themenbereichen denke: Anja, das kann doch nicht war sein, dass du das nicht hinbekommst.

Aber, jetzt weiß ich es wieder. Ich bin zufrieden. Trotz allem – oder gerade weil – hängt ein gutes Leben nicht von bestimmten Normen und Schubladen ab. Jedenfalls nicht meines. Mit vielen Dingen in meinem Herzen und meiner Seele muss ich mich auseinandersetzen und ausprobieren, wohin mich meine Wege bringen oder nicht. Was ich schaffen kann und was nicht. Aber es geht ja ein bisschen darum, für sich ganz persönlich herauszufinden, wo die Schätze vergraben liegen.

Am Samstagvormittag waren meine Freundin und ich mit unseren Kindern morgens die erste am Ochsenkopflift. Traumhaftes Wetter, frisch präparierte Piste. Wenig Leute da. Ich war einfach glücklich. Schnell nach der ersten Abfahrt noch die fehlende Sonnenbrille aus dem Auto geholt. Dann steht man da in Skimontur mitten auf dem noch ordentlich verschneiten Gipfel im Fichtelgebirge um die Ecke und schaut ins Tal über weite Landschaftszüge, die alle restlos grün und frühlingshaft sind. Gegensätzlicher kann es doch nicht sein. Liegestuhlpause, Mittagessen, Abfahren bis der Schnee doof wird. Wisst ihr was? Ich bin einfach gut aufgehoben in meinem Leben.

Mit meiner wunderbaren Familie, meinem tollen Freundes- und Bekanntenkreis, meiner geliebten Arbeit im Rathaus und all den Begegnungen und Möglichkeiten, die sich hier und dort durch die Veröffentlichung von „Schwarz steht mir einfach nicht“ oder ganz schlicht und ergreifend durch das Leben an sich ergeben. Ich mag meins. Meinen roten Faden. Mir fehlt es an nichts. Außer manchmal ein klein wenig an Zeit oder an der Lust, engagiert Gartenarbeit zu betreiben ;-).

Wenn ich hier so sitze, in meinem Büro, Musik höre und über meine Zeilen nachdenke, so weiß ich, dass ich, ja dass wir alle ganz schön oft vor Herausforderungen, Problemsituationen oder blöde Hindernisse gestellt werden. Entscheidungen zu treffen haben, bei denen wir erst danach oder sehr viel später erkennen, ob diese nun richtig oder eher nicht so dolle waren. Aber das gehört einfach zum Leben dazu. Und wie ich hier so sitze, fällt mein Blick auf eine Grußkärtchensammlung, die mir ein ganz besonders liebenswerter Mensch an Weihnachten in den Briefkasten gesteckt hat.

Achte darauf, wie du das Leben betrachtest.
Denn das Leben ist genau so,
wie du es siehst.

…steht da geschrieben.

Ja, ich will nicht meckern an den Dingen, die nicht so rund laufen oder gar schief gehen. Nein, ich möchte sehen und Kraft schöpfen aus genau den Begebenheiten und Projekten, die mein Leben ausfüllen. Erfüllen. Die es gut werden lassen.

Und so will ich es tun.

Mich in Gelassenheit üben. Wie meine Mutter  heute so überaus zutreffend bemerkt hat: Anja, sei doch einfach gelassen.
Das will ich tun. Ich pfeif auf Herzrasen :-).

Denn…ein Weg ohne Hindernisse führt sehr wahrscheinlich nirgendwohin.

Sonnige Aussichten also.

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2 Gedanken zu “Sonnige Aussichten

  1. Lieben Dank Anja,
    Da müssen erst 10 Jahre ins Land gehen, bis ich so einen Bewegenden Blog finde : über Leben und Liebe , und über Krankheit und Abschied. Ich selbst hatte damals vor 10 Jahren ( nach dem Abschied meines Geliebten Lebenspartners Thomsen mit 32 nach einem Sarkom) nicht den Mut. Dein Blog und dein Buch hätten mir / nein haben mir unheimlich geholfen.

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