Zweigeteilt

Zweigeteilt – so heißt das letzte Kapitel in meinem Buch. Ein schönes Kapitel. Eines, das im Ansatz ein klein wenig wiedergeben kann, warum mir Schwarz nun einfach nicht steht (außer, sie macht schlank :-) ).

Zweigeteilt – so fühle ich mich bis heute nach meiner so wundervollen Buchvorstellung am vergangenen Donnerstag Abend im Evangelischen Gemeindehaus in Bayreuth. GROSSER SAAL. Das erste, womit mich der sympathische (wirklich!) Hausmeister zum Soundcheck begrüßte, war: Was soll das heute Abend hier sein? Eine ganz einfache Buchvorstellung?

Äh. Ja…

Nicht schlecht. Ganz schön sportlich bestuhlt. Über dreihundert Plätze. Da kommen nie so viele Leute.

Prima. Ich, die eh schon seit zwei Tagen im Hirn übte und probte, wie ich meine 27 Gäste persönlich und wertschätzend begrüße und alle bitte, doch einfach etwas näher zu kommen, um eine gemütliche und intime Atmosphäre zu schaffen. Jeder einzelne wäre es wert gewesen, alles zu geben. Und über jeden einzelnen der 27 Besucher hätte ich mich sehr gefreut. Somit kam das super bei mir an, als der liebe Hausmeister meine Vorahnung noch mit Erfahrungswerten bestätigte. Okay. Es wird, wie es wird. Und so soll es dann auch sein. So ist es dann richtig. Wir haben alles getan, ich bin vorbereitet – mehr geht nicht. Laufen lassen und sehen, was kommt. Eine HERAUSFORDERUNG für mich mit so vielen Unbekannten (inklusive meiner Angst davor, doch noch geschwind krank zu werden). Let a good thing grow. Meine geflügelter Songtitel.

Nils war bei guten Freunden untergebracht. Eine liebe Freundin übernachtete bei mir und kam extra aus dem Ruhrpott angereist. Mit ihr atmete ich und klopfte auf die Drüse, die auch die Skispringer immer in Anspruch nehmen, bevor sie sich von ihrem Sitzbalken abstoßen. Von allen Seiten: Anja, das schaffst du. Wirst sehen.

Na, ich weiß nicht. Ich hab das noch nie gemacht. Niemals. Ich konnte es überhaupt nicht einschätzen.

Und plötzlich befand ich mich in einem Strudel von so vielen Menschen. Am liebsten hätte ich jeden einzelnen persönlich begrüßt. Ob es die komplette Hausarztpraxis war, ein sehr guter Freund von Kai, mit dem er lang zusammengearbeitet hatte, seine früheren Chefs, Nachbarn, frühere Kollegen, neue Kollegen, mein Chef mit seiner Frau, beste Freunde, oder Gesichter, die man schon ewig nicht mehr gesehen hat. Dr. Schulze von der Palliativstation und ganz liebe Krankenschwestern. Ich kann hier gar nicht alle aufzählen. Auch mir viele unbekannte Menschen. Natürlich meine Mutter, die leider meinen kranken Papa zu Hause lassen musste, meine Großeltern ganz vorn in der ersten Reihe. Ich war einfach nur von Freude erfüllt. Purer Freude. Und lieber Hausmeister. Sportlich gehe ich meine Aufgaben immer an…lach.

Als das Licht gedimmt wurde, es ruhig im Saal wurde und die wunderbare Frau Schulz von der Bayerischen Krebsgesellschaft die ebenso wunderbare Frau Geyrhalter vom Evangelischen Bildungswerk anmoderierte, hab ich gedacht, ich kippe jetzt vom Stuhl. Hilfe. Die Aufregung gipfelte am allermeisten in meinem Kopf.

Und jetzt geht es los. Wenn ich das hier so schreibe, bin ich total in dem Moment vom Donnerstag Abend. Die eröffnende Gesprächsrunde zu dritt, der Lesepart an sich, das Interview danach. Ich war mitten drin. In meiner Geschichte. In meinem Leben. Gemeinsam mit meinem zauberhaftem Publikum. Menschlich. Authentisch. Kai hinter mir, Neues vor mir. Die Spannung beherrschte auf ganz positive Art und Weise meinen ganzen Körper. Ich habe meine vorzulesenden Kapitel echt gefühlte hundert Mal geübt und nie war ich so dabei. So leicht kamen mir die Worte aus meiner Kehle.

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Weil ich mich nicht gefühlt habe, als sitze ich da allein auf der Bühne – und auf der anderen Seite sichtbar getrennt meine Zuhörer. Nein, ich habe mich gefühlt, als gehörten wir alle dazu. Jeder einzelne zu dieser Geschichte. Weil sicher auch schon viele eigene Erfahrungen gemacht haben. Wir alle bildeten eine Einheit. Und diese Sympathie hat mich getragen. Und was soll ich sagen: Ich hab`s gern gemacht. Echt, ich hab`s so richtig gern gemacht. Es ging beinahe wie von selbst, als ich die Stufen nach oben stieg. Wie hat meine Mutter so schön gesagt: Anja, weißt du noch, als du in der 10. Klasse bei der Berufsberatung warst? Bei dem Test kam heraus, dass mir wohl das Lehramt ganz gut liegen könne. Ja, Lehrerin könnte ich auch gut sein (Nils weiß das ganz besonders ;-)…ich liebe Arbeitsblätter und LehrPLÄNE).

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Überwältigt war ich auch von der Anteilnahme am Signiertisch. Welche Geschichten mir zwischen Gruß und Autogramm zugesteckt wurden. Das Leben schweißt einen dann doch zusammen, oder? Findet ihr nicht?

Obwohl auch an diesem Tag das Leben und der Tod leider so nah beieinander lagen – und das nicht nur von meinem Buch ausgehend – war es ein Erlebnis sondergleichen. Ganz fest in Gedanken war ich bei den Menschen, die just in dem Moment einen Abschied hinter sich bringen müssen oder der sich teilende Weg ganz nah vor einem liegt. Möge die Straße Euch zusammen führen und der Wind in Eurem Rücken sein!

Ich habe jede Minute aufgesaugt und schwebte bestimmt zwei Tage lang einen halben Meter über dem Boden, weil ich niemals in meinem ganzen Leben damit gerechnet habe, so eine Anteilnahme, so ein Interesse erfahren zu dürfen. Das ist alles aber ganz sicher nicht selbstverständlich.

Meine Mutter hat folgendes auf Facebook hinterlassen (es tut mir leid, liebe Mutti, aber ich habe mich so gefreut, dass ich das hier mal einbauen muss) – du bist und bleibst eben ein ganz besonders besonderer Mensch. MEINE Mutter eben. :-)

„Anja , ich bin überwältigt….es war eine wunderschöne und eindrucksvolle Veranstaltung, ich freue mich mit dir und wünsche dir ein schönes Leben mit Nils, deiner Familie, deinen Freunden, deinen Arbeitskolleginnen und Kollegen und vielleicht,……mit wem auch immer. Ich habe heute erkennen dürfen, dass manche Probleme es nicht wert sind, wichtig genommen zu werden.Viel wichtiger sind gemeinsamen Werte, die Akzeptanz der Dinge,die wir nicht ändern können und die Freude über andere geöffnete Türen, hinter denen wir nicht so gutes Neues vermutet hätten. Du,deine Schwester, unsere drei wunderbaren Enkelkinder, Daniel und gute Freunde sind die allergrößte Freude im Leben deiner Eltern. Danke an alle deine Freunde, die dich unterstützen und verstehen, liebe Grüße an Katja ,deren Fenster ich im Frühjahr mit großer Freude und meinem hervorragendem Vorwerk-Fensterreinigungsgerät putzen werde, an Anne, die an Liebreiz fast nicht zu überbieten ist und ALLE anderen. Ich für meinen Teil bin froh, in den letzten Monaten Menschen an meiner Seite gehabt zu haben, die vergeben konnten und es mir ermöglicht haben, meine Aufregung an der Veröffentlichung deines Buches, unseres Lebens in der Vergangenheit und Gespräche über Gott und die Welt führen zu dürfen. Den heutigen Abend möchte ich niemals missen, wie auch immer ab morgen das Leben sein wird…. glaube mir, mein liebes Kind …..DAS LEBEN IST BUNT………und manchmal wird auch schwarz dazu gehören…….aber auch das hätte seinen Sinn…ALLES IST RICHTIG SO WIE ES IST……“

Schön, oder? Ich bin immer noch ganz fasziniert. Da kann doch gar nicht so viel schief gelaufen sein, finde ich.

Zweigeteilt.

Warum zweigeteilt.

Weil ich es liebe, zu Hause mit Nils Plätzchen zu backen und zum hundertsten Mal die Weihnachts-CD von Rolf Zuckowski anzuhören.

Weil ich es liebe, Pläne zu haben.

Weil ich meinen Job im Rathaus, Sitzungsvorbereitungen und Co. liebe und gleichermaßen darin aufgehe, mich an ganz andere Projekte, wie mein Buch, zu wagen.

Weil ich die Gemütlichkeit zu Hause von ganzem Herzen brauche und schätze – und weil Proben, Meetings, Vor- und Nachbesprechungen ebenso mein Leben anfüllen.

Ich liebe meine Familie. Meine Freunde.
Und ich liebe die Welt. So weit. So groß. So wunderbar.

Ich liebe den Abend bei einem Glas Rotwein im kleinen Kreis. Nur ne Stunde…und dann ists nach Mitternacht, weil man sich so gut unterhalten hat.
Ich liebe den Trubel auf Abendveranstaltungen, Menschen um mich herum. Gespräche.

Ich liebe es – tatsächlich – auch mal nichts zu sagen und unter die Haut gehende Ruhe zu haben.

Ich liebe es, Nils und seiner Fußballmannschaft von der Elterntribüne aus zuzujubeln. Dabei zu sein. Für ihn dazu sein.

Ich liebe es, Interviews zu führen. Am Telefon, persönlich oder per Post.

Es ist die Aufgabe, die Herausforderung für mich, alles unter einen Hut zu bekommen, ohne mich dabei nicht zu verlieren. Ein gesundes Maß von allen Dingen zu haben. Die Gradwanderung, die es manchmal ist, zu bestehen und ich hoffe, dass ich mich dabei auch immer richtig entscheide. Und da steht an allererster Stelle mein Kind, meine Familie und Freunde. Mein Job. Steht das Konstrukt auf sicheren Füßen, dann, ja dann klatsche ich in die Hände und rufe: Auf geht’s. Machen wir weiter. Sehen wir, wohin uns das Leben führen wird.

Ich danke allen, die (manchmal auch aufopfern) dazu beigetragen haben, dass der 26. November in diesem Jahr so ein gelungener Abend war.

Und ganz besonders dem Publikum.

P.S.: Und weil das Leben niemals perfekt ist. Niemals. Und es mir das auch mit erhobenem Finger zeigen wollte, nach dem Motto: Halt, Anja! Das war zwar alles ganz toll….aber…:Du hast deine Hose verkehrt herum an.

Tja, vor lauter Aufregung ist mir absolut nicht aufgefallen, dass ich mir die Hose falsch angezogen hatte. Ich habe mich nur die ganze Zeit gewundert, warum die plötzlich so unbequem war, wo sie doch beim Kauf eins A saß. Und dauern so komisch rutschte, obwohl sie fest auf den Schenkeln saß. Ja, ich hatte hinten vorn und von hinten. Vielleicht habe ich ja jetzt sogar noch einen neuen Trend kreiert. Das wär’s doch…

 

 

 

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