Glückwunsch zum Jahrestag…

…so wurde ich gerade bei WordPress begrüßt, denn heute vor drei Jahren habe ich mich hier angemeldet. Und rückblickend fing es damit genau an. „Was hat man Ihnen gesagt?“ – und hätte mir damals jemand gesagt, dass ich genau drei Jahre später hier an meinem Rechner sitze – natürlich angestrahlt von erzgebirgischer Lichtervolkskunst (denn sind ja heute offiziell in die Vorweihnachtszeit gestartet) – und mir denke: Ach du Schreck, ach du Schreck, ach du Schreck…überübermorgen ist meine offizielle Buchvorstellung. Ich stehe auf der Bühne. Mit Mikrophon! Und angestrahlt. Und schaue auf mein (hoffentlich anwesendes) Publikum.

Als ich kürzlich den Saal im Evangelischen Gemeindehaus in Bayreuth betreten habe, dachte ich nur: WOW. Wahnsinn. Wie das wirkt. So umfassend. Ein Saal (!), der so wohltuend auf mich gewirkt hat. Mit seinen vielen weißen Fenstern, den Flügeltüren. Weiß. Cloud White. So liebe Menschen um mich herum. So gut aufgehoben. In einem ganz eigenen Gefüge. Fremd und doch sehr nah. Unglaublich.

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Hätte mir das mal jemand gesagt – ich hätte ihm ganz sicher einen Vogel gezeigt. Niemals. Never. Ich kann das doch gar nicht. Ich Huhn vom Lande? Nein.

Tja, und nun.

Am Wochenende hatte ich dann auch meine Probe für den kommenden Donnerstag. Eine Wohnzimmerprobe sozusagen. Und, ihr Lieben, ich kann euch sagen. War ich nervös. Nein, ich kann das nicht. Was hab ich mir da nur aufgehalst. Wie konnte ich nur. Ich habe lange mit mir gerungen und versucht mit Überredung drum herum zu kommen. Ich übe auch jeden Tag. Versprochen. Vor dem Spiegel. Aber bitte, echt bitte lass mich das jetzt nicht machen müssen.

5 Minuten liest du mir vor.

Okay, aber nur fünf Minuten. Dann siehst du ja, wie sich meine vorlesende Stimme anhört.

Dann los.

Also gut – ich les‘ jetzt doch alles.

Und irgendwann war ich drin. In meinem Rhythmus. In meinem Film. Es fühlte sich gut an. Wirklich gut. Nicht nur oberflächlich sondern auch „hinter den Kulissen“. Stolz war ich. Kann man das glauben? Stolz zu sein, im Wohnzimmer, im vertrauten Umfeld, die Kapitel zum Besten zu geben?  Wie soll das dann erst werden, wenn ich die Lesung überstanden habe. Das wäre ja dann kaum auszuhalten ;-).

Spaß beiseite. Ich stehe schon in einer für mich sehr großen Woche. Das Outfit steht – meiner Mutter sei herzlichsten Dank (sie hat mich rundum versorgt, während ich nur in der Umkleidekabine stehen und warten musste), die Haare sind geschnitten (Vanessa sei Dank!), ich habe meinen Vorlesepart echt gefühlte 100 mal geübt. Es ist mein Thema. Mein Leben. Was soll schon schief gehen, oder? Mir können ja nur die Worte fehlen, ich in meinen hohen Schuhen von der Bühne fallen oder mich an einem Streifen verlesen. Mehr nicht. Also. Alles gut!

Manchmal denke ich schon, was Kai jetzt dazu alles sagen würde. Dass ich ihn so her zerre. Da muss er jetzt leider durch. Wir zeigen das, was so viele andere auch mitgemacht haben oder gerade mitten in ihrer persönlichen Tragödie stecken. Wir geben anderen das Gefühl, nicht allein zu sein. Dass auch andere schon das Gefühl hatten, jetzt einfach auf und davon rennen zu müssen. Froh zu sein, wenn es vorbei ist. Und das merke ich an den unglaublichen Reaktionen, die ich nach wie vor erhalte. Und allein deswegen hat es sich gelohnt, diesen Weg, den ich einst vor drei Jahren an dieser Stelle begonnen habe, weiter zu gehen. Diese Richtung beizubehalten. Nach dem anfänglichen Aufruhr in meinem Herzen und vor allem meinem Kopf nach der Veröffentlichung von „Schwarz steht mir einfach nicht“, haben meine Füße wieder Bodenkontakt und ich denke, ich bin wieder ein ganz klein wenig gewachsen. Weil ich schon allein in den letzten vier Wochen so viel dazugelernt habe. Am allermeisten über mich. Dann schüttle ich den Kopf: Unglaublich.

In einem Beitrag hier erwähnte ich ja auch schon die Zahlen, die sich so miteinander verbinden…wie ein roter Faden durch die Zeit führen. 13/2 als Geburtsdatum von Kai. Die 26 (13×2) als Diagnosetag – Rezidivtag – Todestag. Ich liebe sich schließende Kreise. Eine runde Sache sozusagen. 26.10. als Buchveröffentlichungstag (Rezidive in 2010)- 26.11. als Buchvorstellungstag (Diagnose in 2009). Das passt ja wieder wie die Faust aufs Auge. Also muss das wohl so sein. Glückwunsch zum Jahrestag!

Ich habe ganz viel gebetet. Innig. Und mir gesagt: Anja: Ich lass das jetzt laufen. Das große Ganze hast du eh nicht in der Hand. Sehen wir, wie es weiter gegangen sein wird.

Meine Lieben, wer Lust und Zeit hat, ist herzlichst eingeladen, am kommenden Donnerstag, 26. November 2015 ab 19 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus in Bayreuth dabei zu sein, wenn ich NICHT in meinen hohen Schuhen von der Bühne falle, wie mir NICHT die Worte fehlen werden und ich einfach mit Euch gemeinsam meinen, ja unseren Weg gehe.

Ein bisschen Angst. Ein bisschen aufgeregt. Erwartung. Freude.

Von  Herzen, Eure Anja

P.S.: Na gut. Ein bisschen mehr Angst. Und SEHR AUFGEREGT…

 

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Ein Gedanke zu “Glückwunsch zum Jahrestag…

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