Die Welt steht Kopf … in meinem Kopf

Ich würde gern mal eine Suchanfrage in meinem Hirn starten, wie oft ich schon gedacht oder gesagt habe: Alles hat sich verändert. Weil ich heute, an diesem 11. November (St. Martin…ihr erinnert euch…das kotzende Pferd und so) hier sitze und schreibe: Alles hat sich verändert.

Wenn ich überlege, was seit dem 11. November 2009 bis zum 11. November 2015 so passiert ist, was sich so grundlegend verändert hat, wo wohltuend gleichbleibende Konstanten liegen  – dann, ja dann wird mir einfach nur schwindelig. Und dann ist da jetzt auch noch ein Buch von mir auf dem Markt. Kein Roman. Sondern eine Lebensgeschichte. Eine Geschichte aus meinem Leben. Ganz offen und ehrlich. Ich finde mich in Buchhandlungen, in Zeitschriften, Magazinen und im Internet wieder.

Und jetzt möchte ich mich erst einmal bedanken. All denen, die bei mir sind. Die es kaufen, lesen, weinen und lachen. Die mit mir noch einmal den Weg gehen. Die mich verstehen oder aber auch nicht. Die sich treiben lassen, nachdenken, innehalten. Ich möchte mich bedanken für all die wunderbaren Worte und Emotionen, die mir durch euch zurückgegeben wurden. Ob nun aus dem Kreise meiner lieben Familie, Freunden und Bekannten oder von völlig wildfremden Lesern.

Alles ist anders. Von St. Martin zu St. Martin. Als steckten in dieser Zeit mehr als nur ein Leben.

Natürlich sitze ich auch oft da und frage mich, ob das alles richtig war. Diesen Weg zu gehen. Dieses Buch zu schreiben. Diese Worte zu wählen. Ich bin mir freilich auch sehr bewusst, dass es nicht jedermanns Sache ist. Auch nicht sein muss. Schließlich sind wir allesamt manchmal so gleich und doch auch wieder so verschieden. Aber gerade das macht unsere Welt doch bunt. Sicher überfordere ich auch mit meiner Art und Weise (manchmal überfordere ich mich selbst auch ziemlich :-) ). Man muss ja mein Buch nicht aufschlagen. Dann erinnere ich mich an die Zeiten damals, als Kai krank geworden ist, im Sterben lag. Ich hätte mir in dieser Zeit sehr gewünscht, dass ich gewusst hätte, was auf einen zukommen kann. Welche Probleme, Sorgen, Ängste. Und dass ich nicht die einzige bin, die jetzt gern auf und davon gewollt hätte, weil sie an der Grenze des Ertragbaren angekommen war. Oder aber auch welche unvergesslichen und wunderschönen Momente man erleben kann, wenn man dem Unvermeidlichen einfach eben nicht aus dem Weg geht. Ich hätte sehr gern so ein Buch an meiner Seite gehabt.

Am Sonntag habe ich – wie sicherlich viele andere auch – rein durch Zufall das Interview mit Guido Westerwelle angesehen. Man solle sich trauen, offen mit dem Krebs umzugehen, meinte er da. Er als Betroffener wünscht sich das auch.
Ja, ich als Angehörige kann das nur bestätigen. Offenheit. Dass man drüber redet – auch über die Dinge, die vielleicht nicht so schön sind. So gehören sie dennoch dazu.

Mit Moritz Kircher vom Nordbayerischen Kurier habe ich auch ein ganz wunderbares Interview hinter mir.
Eigentlich war nur ein kleiner Beitrag zu meiner Buchveröffentlichung geplant. Und was ist es geworden? Eine Doppelseite mit so vielen Fragen und Antworten. Als ich die Zeitung morgens aufschlug, hab ich mir gedacht: Ach du Schreck, SO VIEL hast du tatsächlich erzählt? Aber es passte so gut. Auch so menschlich. Let a good thing grow. Und diesen Beitrag haben wir wachsen lassen. Ich habe so unwahrscheinlich viel Zuspruch erhalten, dass ich es immer noch kaum glauben mag. Wirklich Wahnsinn. Ob am Telefon, einfach zwischendurch beim Einkaufen, beim Bummeln in der Stadt, im Internet, via Telefon und Handy oder ganz privat. Ich bemühe mich auch wirklich, immer alles recht zeitnah zu beantworten. Ich bin mir sicher, dass manch einer mit etwas Unverständnis auch nach Luft geschnappt hat. War es zu ehrlich? War es zu viel? Nein. Das Thema „Tod“ geht doch uns alle an. Keiner wird verschont bleiben. Aber ich bin mir so was von sicher, dass der Tod nicht das Ende ist. Egal von welcher Seite aus man es betrachtet. Der Tod ist nicht das Ende für die, die am Leben bleiben und er ist ebenfalls nicht das Ende für die, die gestorben sind.

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/bis-dass-der-tod-uns-scheidet_416244

Am 26. November findet auch meine allerallerallererste Lesung hier in Bayreuth statt. Wer mag ist natürlich herzlich eingeladen. Ein „Anja-und-die-Lesung“-Post an dieser Stelle folgt bald….

Manchmal kann ich es immer noch nicht glauben – ich gehe in den Buchladen und sehe es liegen. „Schwarz steht mir einfach nicht“. Aufschlagen, drin blättern, lesen, mich erkennen. Kai erkennen. Unglaublich…wer hätte das je geahnt. Ich ganz sicher nicht!

Thalia

Und so sitze ich hier und stecke mitten drin in der Therapie meines Lebens. Den ein oder anderen reiße ich da gleich mit…lach… Alles wirbelt bunt und manchmal beinahe etwas zu wild durcheinander in meinem Kopf. Und wenn ich es dann noch schaffe, alles laufen zu lassen, los zu lassen, zu sehen, wohin es mich treibt, weiterzugehen, zu akzeptieren, dann – ja dann habe ich wieder etwas geschafft. Und zwar nicht nur nach außen hin sondern in mir drin. In meinem Herz. In meinem Kopf. Und meiner Seele. Das wird bestimmt toll!

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2 Gedanken zu “Die Welt steht Kopf … in meinem Kopf

  1. liebe anja,
    es wird immer kritische stimmen geben. bevor anfang 2009 meine linke brust amputiert wurde, hatte ich auf die frage meines jüngsten ehrlich geantwortet „nein, wenn sie abgeschnitten ist wächst sie nicht mehr nach“. auch das hat mir viel kritik eingebracht….unterm strich ist vorallem in der familie ehrlichkeit und offenheit eine grundvorraussetzung. alles baut darauf auf. wir hatten/haben den richtigen umgang mit dem krebs und den kindern getroffen.

    dein wundervolles buch habe ich als e-book gekauft. bereits zweimal gelesen…..gelacht, geweint, geschmunzelt.
    du hast mir mein herz gefüllt
    alles liebe babs
    p.s.: leider ist bayreuth für mich zu weit weg

  2. Hallo,
    ich lese gerade Ihr Buch; es lief mir über den Weg und ich musste es mitnehmen. Soeben war ich bei der Stelle „Welpenschutz“ und mußte weinen. Mir ging es nach dem Suizid meines Mannes irgendwann genauso. Eine ganz andere Geschichte und Thematik als die Ihre also. Es tut gut zu lesen, das man nicht allein „unkonventionelle“ Wege geht, um die Dinge seinem Kind zu sagen. Ich habe kaum jemandem von meinem Weg erzählt. Danke für das Buch!

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