In meinen Händen

So.
Fertig.
Ich sitze nun tatsächlich da und halte mein frisch gedrucktes Buch in meinen Händen.
Was war. Was ist. Was wird kommen. Ich sitze hier und denke mir: Meine Güte, was ist nur alles passiert in den letzten 6 Jahren. Hätte mir jemand früher mal gesagt, was uns ereilen wird, wie mein Leben sich gravierend verändern wird: Ich hätte ihm wohl einen Vogel gezeigt. Ich? Ein Buch? Niemals. Woher denn.

Mir ist bewusst, dass sich bei dem Thema und dem Titel, die Geister scheiden. Wie überall und zu jeder Zeit hat eine Sache eigentlich auch immer zwei Seiten. Ich habe aber beschlossen, das durchzuziehen. Mich den Fragen dieser Welt zu stellen. Auch ich musste lernen, dass mein Weg nicht gleich maßgeblich das Nonplusultra für andere sein muss. Ganz im Gegenteil. Oft werde ich gefragt, was ich mit meinem Buch eigentlich erreichen möchte. Wen ich anspreche. Was ich bezwecke.

Das erste Mal, dass mir bewusst wurde, dass wir neue Wege gegangen sind – Kai und ich – war, als ich den Chefarzt unserer Palli fragte, ob das arg blöd ist, dass ich gestern am Sonntag mit meiner Familie fröhlich Tischtennis im Garten gespielt haben, während Kai durchaus mit seinem Abschied zu kämpfen hatte. Nein, Frau Lauckner. Ganz und gar nicht ist das blöd. Genau so sollte es sein. Denn so ist das LEBEN. Und ich glaub, hätte Kai gekonnt, wäre er sehr gern mit um den grünen Tisch gefegt und hätte mit grinsendem Siegergesicht den Ball mit voller Emotion geschmettert. Ich glaube, dass  es auch Kais Herz hat leichter werden lassen, zu merken, dass er uns getrost hier lassen kann. Dass wir unseren Weg schon finden werden. Vielleicht nicht so, wie er ihn gegangen wäre, aber darum geht es ja auch gar nicht. Sondern ein klein bisschen und manchmal auch ein bisschen mehr geht es doch darum, seinen Platz in der Welt zu finden, seine Wege zu probieren, achtsam mit sich selbst und seinen Lieben umzugehen. Zufriedenheit zu erlangen. Wir können den Tod nicht ändern und nicht abschaffen. Er ist ein Teil unseres Lebens. Für jeden einzelnen. Und ich habe durch Kai gelernt: Man braucht davor keine Angst zu haben. Auch das möchte ich mit meinem Buch vermitteln. Ängste zu nehmen. Sich nicht aufzugeben, auch wenn man schwere Verluste zu tragen hat. Alles hat seine Zeit und alles braucht seine Zeit. Menschen kommen und gehen.

Kai und ich hatten durchaus unsere Probleme früher. Sicher auch Probleme, die man vielleicht langfristig nicht hätte tragen können, hätten sich nicht Dinge geändert. Wir haben die Chance ergriffen. Zu ändern. Sich zu öffnen. Zu reden. Zu fühlen. Zu lieben. Was man nicht alles schaffen kann, wenn einem die Zeit im Nacken sitzt. Und dafür danke ich ganz einfach meinem Mann. Dass ich das mit ihm erleben durfte. Und seine Dankbarkeit mir gegenüber. Und meiner Penetranz :-).

Ja, ich habe ein Buch geschrieben. Und ja, man darf ehrlich sein. Und ja, man darf weiter gehen. Und ja, man darf lachen. Und ja, man darf weinen. Und ja, man darf sich des Lebens freuen und Gott dankbar dafür sein, dass man es hat und es ganz sicher nicht das Ende ist.

Mein Buch ist ein Anfang.
Für was auch immer.
Ich bin gespannt. Aufgeregt.
Vielleicht habe ich auch ein bisschen Angst. Vor dem, was kommt. Oder nicht kommt.
Und vielleicht habe ich auch manchmal ein bisschen mehr Angst. Aber dann sage ich mir: Ach komm. Du machst das jetzt.
Warum?
Warum nicht!

Let a good thing grow.
So war das doch, oder?

Anjas Buch im Cafe

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6 Gedanken zu “In meinen Händen

  1. Herzlichen Glückwunsch! Da habe ich Dein Blog erst am Wochenende zufällig gefunden und mich gleich festgelesen. Und nun lese ich, dass es ein Buch gibt. Das finde ich prima, weil Du so einen tollen Schreibstil hast. Liebe Grüße und viel Erfolg mit dem Buch, auch wenn Dir das Schreiben bestimmt wichtiger war als der Erfolg… 💕

  2. Ich habe das Buch zum Testlesen bekommen. Am Montag abend habe ich angefangen und gestern abend hatte ich es durchgelesen.
    Es hat mich sehr berührt.
    Ich finde es bewunderswert, dass sie die Kraft hatten, alles aufzuschreiben und quasi noch einmal zu erleben.
    Ein tolles Buch.
    Ich hoffe, es geht Ihnen und Ihrem Sohn gut.

  3. Am Montag bestellt und Freitag fertig gelesen…..der Weg den du gehst und der Weg den ihr gegangen seid, ist richter als er nur sein kann. Ein grossartiges Buch und eine noch grossartigere, starke Frau. Ich kenne Kai noch aus meiner Kindheit und dein Buch hat mich wahnsinnig berührt.
    …alles Gute für euch…

    1. Danke, liebe Caro. Ich freue mich immer über ehrliche Resonanz und wenn dabei dann solch wunderbare Zeilen dabei rauskommen, kann ich nicht anders, als breit lächeln…. Sonnige Grüße ins schöne Vogtland!!! Anja

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