Für Anna – Alles bleibt besser!

Jetzt ist es schon bald ein Jahr her. Und es passiert immer wieder:  Menschen sterben. Und nicht jeder stirbt an einer unheilbaren Krankheit sondern recht häufig passiert das auch ohne Grund und aus heiterem Himmel. So ist es, das liebe Leben. So oft so unvorhersehbar.

Ja, jetzt ist es schon bald ein Jahr her, dass ein besonders lieber Mensch morgens einfach nicht mehr aufgewacht ist und uns vor Augen führt: es kann so schnell vorbei sein. Zu Ende. Warum? Darum. Ohne Grund. Ein Herz hört auf zu schlagen.

Hier mein Brief an Anna. Im letzten September. Ich glaube, man hat es wirklich richtig gemacht im Leben, wenn man so viele, wundervolle Spuren hinterlässt:

„Alles bleibt besser!“

 Für heute Abend – wirklich kurz vor knapp vor der himmelsnahen Abschiedsparty auf der Dachterrasse – habe ich mir vorgenommen, meinen Text für Dich, liebe Anna, zu schreiben. Gedanken machte ich mir schon die ganzen letzten Tage dazu.

 Draußen regnet es in Strömen. Also richtig derbe. Drinnen brennt hier Mitte September der Kamin und eigentlich könnte es richtig gemütlich sein.

 Anna, gerade kam Nils aus seinem Zimmer. Hielt ein Bild an seine Brust gepresst. Nils und sein Papa. Gardasee 2011. Und Nils? Den hat’s erwischt und er weint elendig. Ihm fehlt sein Papa so sehr. Richtig, richtig sehr. Mir brennen die Tränen in meinen Augen, während ich ihn wortlos in den Arm nehme und tröste. Scheiße. Echt. Warum sterben Menschen. Und warum immer die, die es nicht treffen sollte. Warum muss man alles aushalten und durchstehen? Und jetzt sind all meine vorherigen Gedanken über dich verwaschen. Die Stimmung eine ganz andere. Wieder wird mir bewusst, dass die Theorie sich von der Praxis so oft unterscheidet. Dass auch nach drei Jahren der Schmerz über den Verlust eines entsetzlich lieben Menschen ziemlich weh tun kann.

 Anna. Ich sitze hier und blättere durch viele Mails zwischen uns beiden. Gesehen haben wir uns nie. Nur auf Fotos. Dafür umso mehr „zugelesen“. Auch zwischen den Zeilen. Und gerade in meinem ganz persönlichen kleinen Elend lese ich von Dir:

 

„Alles bleibt besser!“

* * * 

Von: Anja Lauckner

Gesendet: Dienstag, 13. November

An: Anna Katzdobler

Betreff:

Ach Anna, wenn du wüsstest, wie ähnlich wir uns sind!

Du bist mein Vorbild! Dich nehm’ ich jetzt…mach es mir vor, dann mach ich es nach! Ich weiß auch nicht, wie das geht. […] Momentan ist es reines Geldverdienen. Das ist aber nicht Sinn und Zweck. Man verbringt so viel Zeit im Leben – es sollte passen. Sonst ist es verlorene Zeit. Zeit, die man eigentlich nicht hat. Zumindest nicht zum Verplempern.

* * *

Gesendet: Dienstag, 13. November

Von: „Anna Katzdobler“

An: „Anja Lauckner“

Betreff: AW

 Wart noch ein paar Monate ;-) dann sag ich dir, ob alles richtig war ;-) aber es fühlt sich seit Sonntag verdammt (und das ist äußerst positiv) gut an.

Ich kann dir gar nicht sagen, wie gut es sich anfühlt, jetzt mal ein Stoppschild aufgestellt zu haben.

Hoffe und glaube es ist richtig. Aber fühlen tu ich’s ganz genau!

 * * *

 Von: Anja Lauckner

Gesendet: Dienstag, 13. November

An: Anna Katzdobler

Betreff: Aw: AW:

Anna, wenn ich etwas ganz sicher weiß, dann, dass es genau das Richtige ist. Du tust das Richtige. Weil DU auf DICH hörst. Weil DU dem ein Ende bereitest. DU sagst: Stopp – bis hierher und definitiv nicht weiter. Weil DU lang genug dir die Floskeln, von wegen, als würde gut werden, angehört hast. Weil DU gelernt hast, dass eben nicht alles gut wird, wenn man selbst außen vor bleibt. Es geht um DICH, liebe Anna und nicht um andere.

„Die Leidenschaft gibt uns Zeichen, die uns im Leben leiten – und es bleibt mir überlassen diese Zeichen zu deuten.“

Anna – du hast die Leidenschaft für Deine Zukunft entdeckt. Sie trägt Dich und lässt es gelingen.

Ich fühle das und weiß es!

Ich hab Dich lieb und ein dickes Bussi von mir!

ich

 

* * *

 

Von: Anna Katzdobler

Betreff: AW: AW: WG:

Datum: 13. November

An: Anja Lauckner

;-) danke dir. Der schönste Satz den ich in den letzten Wochen gehört hab.

„Anna – du hast die Leidenschaft für Deine Zukunft entdeckt.“

* * *

Liebste Anna. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter.“, nicht wahr? Wenn’s am schönsten ist, soll man immer aufhören.

Ich WEISS, dass wir uns sehen werden. Ich WEISS das, seit Kai tot ist. Weil ich es ganz genau FÜHLEN kann. Das stimmt mich froh. Und weißt du noch, was wir besprochen haben, als Deine Mutter gestorben ist? Mit dem blauen Himmel, der Zeitung und dem leicht wippenden Schaukelstuhl?

 Dir geht es gut? Ja, dir geht es gut! Alles bleibt besser, richtig?

Und weil du auf der Seite mit dem bekanntlich viel grüneren Gras, vielleicht jetzt in ebendiesem rumlümmelst, die hellere Sonne im Gesicht hast, und einfach leicht bist. Und frei. Genau deswegen sollten wir zum Himmel schauen und uns darüber freuen. Erleichtert sein.

 Anna. Ich mache weiter. Wie besprochen. Wir machen weiter. Und bin dankbar, über jedes Wort. Über jedes Lachen. Über jede Richtungsweisung. Ich nutze mein Leben hier unten bis zum letzten Atemzug. Keine Zeit sinnlos verplempern. Du weißt es am Besten. Wie schnell es aufhört zu schlagen. Das Herz.

Anna.

Unglaublich.

Nah.

Adieu.

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