Perlen und die Ironie des Schicksals

Heute Mal eine Geschichte, die das Leben nicht besser schreiben kann.

So. Ich hätte das dann mal nicht allzu oft erwähnen sollen. Dass ich Kontraste liebe. Und am allermeisten den Kontrast von rot und weiß. Es scheint ein oft wiederkehrendes Stilelement in meinem Leben zu sein. Wie es sich für so einen auffallenden und knalligen Kontrast gehört, so wird es ihm aufs allerhöchste gerecht, mit Getöse in Erscheinung zu treten.

So fahre ich in die Tiefgarage eines kleinen aber unwahrscheinlich hübschen Hotels ein. Weiß getünchte Garagenabteile mit schönen roten Ecken, dass auch bloß das blindeste Huhn erkennt, wo es eng werden kann. Als ich das letzte Mal dort parkte, habe ich den freundlichen Portier gefragt, ob er nicht lieber mein Auto ausparken könne – mir ist das in der Enge nicht so ganz geheuer. Nun war aber diesmal eine Portierin an der Reihe, mir Einlass zu gewähren und da schafft man es ja schließlich selbst. Ich bin ja alt genug. Und fahre wirklich viele, viele Kilometer. Und während ich mir so überlege, dass das Abteil, dass ich mir gerade ausgesucht habe, in der Praxis nun doch recht eng ist, ich hier niemals wieder rauskomme und ich mit messerscharfem Blick meinen linken Kotflügel im Blick hatte, um da irgendwie unbeschadet die Kurve zu bekommen (wenn überhaupt, hat da nur ein Blatt Papier oder zwei dazwischen gepasst), nun während ich da eben so überlegte, traf es mich auch schon wie ein Blitz. DAS Geräusch. Ein Geräusch, dass auf ähnlicher Skala wie Zahnarztbohrer rangiert, wenn nicht noch schlimmer. Autoblech trifft auf Fremdkörper. Und zwar nicht vorne links sondern hinten rechts. Meine Hintertür hatte sich mit der Betonecke vereint. Nun, bis man so reagiert, gebremst hat undsoweiter ist der Schaden auch schon einen Meter lang. Dummerweise musste ich da ja auch RÜCKWÄRTS wieder raus. Schon wieder. Das Geräusch. Entsetzlich! Wirklich. Ich hasse es. Und könnte ich nicht mit einem Knopfdruck meine Seitenspiegel einklappen, so hätte einer auch noch dran glauben müssen, denn ich wäre nie und nimmer aus dem schmalen Schlauch von Parkmöglichkeit rausgekommen. Ach, war das Elend. Ich hatte in dem Hotel eine lange Besprechung und in der Zeit ist mein Schaden in meinem Kopf – also der Schaden an meinem Auto – immer größer geworden. Summen stapelten sich und Zeitaufwände. Und überhaupt. Warum muss das ausgerechnet mir passieren. Und auch noch so, dass es auch wirklich JEDER sofort erkannte – tiefrote Kratzer über die ganze Türbreite, verursacht vom „Achtung-hier-ist-eine-Kante“-Rot der Wand. Auf meinem schneeweißen Auto.

In der Zeit, in der ich überlegte, ob ich es nun über die Versicherung machen lasse oder selbst bezahle, mir ein Angebot eingeholt habe, kamen wirklich täglich immer neue Leute zu mir: Anja. Ach. Was ist denn mit deinem Auto passiert?!? Und jeder eigentlich versuchte mich aufzubauen und meinte tröstend: Ist doch nur Blech. Anja. Das wird schon wieder.

Letzten Endes habe ich den Schaden meiner überaus freundlichen Versicherung gemeldet und wurde einer Werkstatt in der tiefsten Oberpfalz zugewiesen. Immerhin mit Werkstattpaket. Ich bekomme netterweise einen Leihwagen und mein Auto runderneuert und tiefengereinigt zurück.

Ja, ich habe noch wirklich viel zu lernen in meinem Leben.
Bei der Übergab und Aufnahme aller Formalitäten, Führerscheine und Fahrzeugpapiere fiel dann auch irgendwann zwangsläufig der Blick auf die TÜV-Plakette.

Frau Lauckner? Nein. Ehrlich? Also Frau Lauckner: Ihr TÜV ist abgelaufen.

Wie…der ist abgelaufen…?!?

Na aber schon – naja – lang.

Im Ernst? Jetzt? Da sind doch nie und nimmer schon zwei Jahre um.

Doch. Und mehr sogar. Schon über zweieinviertel Jahre.

Da haben nun zig Leute mein Auto begutachtet, den Schaden besprochen aber nicht einem einzigen ist aufgefallen, dass ich hätte schon seit einem viertel Jahr dringend zur Hauptuntersuchung gemusst. Unglaublich.

Also, wenn ich ja wirklich an alles mögliche denke und eruiere und entwirre – aber was völlig aus meinem gedanklichen Dunstkreis entwichen ist, ist der TÜV. Da muss ich auch erst gegen eine rote Wand fahren, um mit Gewalt darauf hingewiesen zu werden, dass ich nun doch noch der ein oder anderen Pflicht nachzukommen habe, wenn ich nicht Gefahr laufen will, Flensburger Punkte zu gewinnen und Geld zu verlieren. Oh man. Ich sag’s Euch. Manchmal bin ich echt ein Huhn. Dann denk ich immer: Was hab ich wohl noch vergessen? Irgendetwas elementares vielleicht? Etwas ganz wichtiges?

Aber, nun war es ja entdeckt. Die Unpässlichkeit und ich hatte schon etwas Muffensausen, nicht in den kommenden drei Tagen noch in die Hände der Polizei zu fallen. Das hätte mir gerade noch gefehlt….Ich war jedenfalls erleichtert, als mein Auto endlich von einer netten Werkstattmitarbeiterin abgeholt und der Leihwagen dagelassen wurde.

So fuhr ich nun äußerst vorsichtig mit dem Leihgut und wartete sehnsüchtig darauf, dass ich mein schönes, weißes, aufpoliertes und endlich wieder sauberes Fahrzeug in Empfang nehmen durfte. Wenige Tage dauerte die Reparatur meiner verzogenen und zerdellten Tür. Am letzen Tag will ich also auf dem Weg ins Büro brav einparken, erkenne gerade noch vermeintlich rechtzeitig, dass ich lieber noch einmal zurücksetzen sollte, um wirklich sicher zu gehen, dass alles seine Ordnung hat und zack. War es geschehen. Schon wieder DAS Geräusch. Ich hatte mit meinem DREITÄGIGEN LEIHAUTO ein anderes, parkendes Auto angefahren. SCHREI. Erde, bitte tu dich auf und verschlucke mich! Ehrlich. Ich will bitte hier und jetzt im Erdboden versinken. Das kann doch alles nicht wahr sein! Das nennt man doch Ironie des Schicksals mit einer gehörigen Portion Perlen vor die Säue…oder?!? Echt. Ich dachte erst, dass eigentlich ja nichts passiert ist. Man sieht kaum etwas. Aber bei den heutigen lackierten Stoßstangen ist ja immer gleich alles kaputt und verzogen. Dank meiner netten Kollegen habe ich aber die Fahrerin meines „Opfers“ ausfindig gemacht, mir alle nötigen Angaben beschämt eingeholt und reumütig mit ganz viel Asche auf meinem Haupt der Werkstatt meinen Fauxpas gemeldet. Und mich tausend Mal entschuldigt. Ich mein, ich war da schon ordentlich versichert und man versuchte mich auch wirklich tröstend zu beruhigen, dass es nun wirklich schlimmeres gäbe. Aber so allgemein müsse man sich jetzt erstmal informieren, wie das jetzt von statten geht, denn es hat leider bei ihnen noch NIEMALS jemand ein Leihauto angefahren zurück gebracht. Ja, ist schon klar. Ich bin gerne die, die die Pole Position einnimmt. Einer muss ja mal den Anfang machen; also immer her damit.

Nun war es aber gar nicht sooo schlimm und vielleicht muss auch gar nicht die Stoßstange ausgetauscht werden und überhaupt, liebe Frau Lauckner, vielen Dank, dass Sie Ihr Auto bei uns zur Reparatur hatten – dafür schenken wir Ihnen einen Verbandskasten!

Ich hoffe, es handelt sich nicht um einen Wink mit einem ganzen Lattenzaun und ich hoffe auch, dass es sich rein um mein gewinnendes Naturell handelt, als mir noch über den Parkplatz hinweg nachgerufen wurde, ich könne jederzeit und immer gern wiederkommen….Scheinbar wittern sie in mir eine gute Kundin.

Wie meinte meine Mutter noch so schön: Anja, es gibt wirklich schlimmeres.

Ehrlich gesagt, auch wenn ich wieder in meiner ganzen Materie umfassend gefordert wurde, so lerne ich wohl gerade in einigen Bereichen meines Lebens, dass es wirklich schlimmeres gibt und vor allem für nahezu jedes Problem irgendeine Lösung zu finden ist. Ist so. Könnt ihr mir glauben. Und allermeistens muss man sich vorher auch gar nicht so intensiv verrückt machen. Das muss ich zwar noch etwas üben…aber ich scheine diesbezüglich ja reichlich Gelegenheiten dafür zu bekommen um irgendwann Meisterin der Gelassenheit zu werden. Ich werde es Euch wissen lassen. Ehrenwort.

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Ein Gedanke zu “Perlen und die Ironie des Schicksals

  1. ja, es gibt schlimmeres.
    aber, da fragt man sich: wie konnte ich so lange ohne crash sein!?
    manchmal ist der wurm drin. dann gleich zweimal in folge…….
    mein allerster unfall: da bin ich jemandem reingefahren: rückwärts!!!
    danach konnte ich wochenlang nicht ohne beklemmendes gefühl rückwärts fahren…………… *grins*

    und manchmal gehen wünsche in erfüllung -> siehe kontraste
    liebe grüße
    babs

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