Wenn EMOTION groß geschrieben wird

Da sitzt man nun. Inmitten einer rappelvollen Turnhalle einer zur Auswahl stehenden weiterführenden Schule, die ihre Pforten weit für den Ansturm interessierter Eltern samt allen geeigneten Kindern geöffnet hat.

Meine Freundin, deren Tochter ich dabei hatte, hab ich vorher noch gefragt: Sag mal, was macht dann da eigentlich so. Wenn man sich eine Schule anschaut?

Keine Ahnung Anja, ich hab auch überhaupt keinen Plan.

Aber alle Aufregung umsonst – für alle, die auch irgendwann das erste Mal vor einem derartigen Schulbesuch stehen: Keine Bange. Es ist alles bestens organisiert und geplant! In dieser Schule bekommen die Kids farbige Basecaps, die sie in Gruppen einteilten und die von älteren Schülern die Einrichtung samt aller Räumlichkeiten gezeigt bekommen. Die erste Hürde nehmen wir bereits am Eingang, um einem sehr umsichtigen und zuvorkommenden Lehrer beizubringen, dass Nils NICHT zu groß für die 5. Klasse ist – da erst neun – und die zierliche Annika NICHT zu klein für das gleiche Unterfangen ist – da ebenfalls erst neun. Ich habe es dann auch nicht weiter aufgeklärt, dass Nils und Annika KEINE Geschwister sind. Ich befürchte, das hätte den armen Mann dann schlussendlich doch überfordert…und so ziehen sie von dannen. Die Kleinen. Die Kleinen, die ihre Wege weiter gehen und dabei still und heimlich groß werden.
Währenddessen sitzen wir Eltern  zu hunderten beisammen und verfolgen gebannt die Worte der Schulleitung, um bloß nichts wichtiges, eventuell ja elementares und wegweisendes zu verpassen.

Und da sind wir schon da. Bei wir Eltern.
Da spielt eingangs die Big Band der Schule herzzerreißend schön „What a wonderful world“, ein bekannter Vater, den ich bisher eher vom Fußballplatz unserer Kinder Mannschaft, kenne, schwingt wirklich mit Leidenschaft zur Musik seine Drums. So wenig kennt man die Leute. Und wie das bei mir nunmal so ist, wird EMOTION ganz groß geschrieben. Und wenn jemand mit Emotion bei der Sache ist, erkenne ich das ganz schnell. Und bin dann ebenso mit Emotion bei der Sache. Da sitzt man nun, leicht gefühlsangeschlagen und es trifft einen wie ein Blitz: Sieh dir doch die Halle an. So viele Eltern. Mütter, Väter, Kinder. Und ich fühl mich, als wäre ich die einzige weit und breit, die keinen Vater für Nils an der Seite hat. Was natürlich nicht stimmt, da sicher genügend ohne Anhang oder eben auch einfach alleinerziehend bei der Sache waren. Und Hochzeitstag hätte man auch noch und überhaupt treiben einen die Gedanken um, was denn wird. Aus dem Kind. Geht es seinen Weg. Einen guten Weg. Findet man die richtige Schule. Geht alles gut. Schaffen wir die Organisation und bekommen die Gradwanderung der heutigen Zeit hin, die Kinder trotz Schuldrucks noch Kinder sein zu lassen?
Schon wieder ein neuer Lebensabschnitt, der bevor steht. Ich bin doch so ein Gewohnheitstier. Halte mich gern an Strukturen fest, auch wenn ich dazwischen sehr gern mal aus der Reihe tanze.

Was passiert? Richtig. Ich muss heulen. Die Welle der groß geschriebenen Emotion trieft aus allen Löchern und meint, komplett über mir zusammen klatschen zu müssen. Alles wird auf einmal so riesig. Als schaffe man das doch eh nie. Aber so ist das bei mir immer: Hauptsache erstmal allerhöchste Gedanken gemacht.
Neue Lehrer, neue Schulwege, neue Mitschüler, neue Themen, Ich glaub, als Elternteil macht man sich schon immer mehr einen Kopf, als es der eigene Spross tut. Und dann die Horror-Geschichten aus den Medien, Eltern älterer Schüler – G8 – G9 oder ganz was anderes…Himmel. Nein. Ich lasse mir keine Angst einjagen. Wir werden das schon hinbekommen. Oder?

Was ist wenn dies oder wenn das undsoweiter. Ich kenne einige, die sicher jetzt sagen: Ja Anja. Jetzt mach dir mal nicht wirklich immer so viele Gedanken!

Ich mach mir aber Gedanken. Von oben nach unten und von links nach rechts, quer durch, mitten rein. Und ich kann nichts dagegen tun. Ich hab es versucht. Immer und immer wieder. Mit harter Arbeit. Das loszuwerden. Schlussendlich aber bin ich es. Das ist meine Eigenschaft. Eine Eigenschaft, gegen die ich nicht immer und andauernd ankämpfen sollte. Das ist doch mal ein guter Entschluss. Einzig sollte ich lernen, zu trennen. Und Distanz zu wahren. Nicht immer gleich mein Herz und meine Seele mit einzubeziehen. Das überfordert die beiden nämlich. Ich merk das. Wenn die sich sträuben. Ja, so eine Portion Gelassenheit den Dingen gegenüber…das wär` schon was. Kommt Zeit, kommt Gelassenheit. Vielleicht. Mal sehen. Ich werde sie mit offenen Armen empfangen.

Der Schulbesuch war jedenfalls ein voller Erfolg. Beide Kinder mögen immerhin mal diese Schule – mein heimlicher Favorit. Mal sehen, was die kommenden Wochen noch bringen mögen.

Es muss doch zu schaffen sein. Dieses Leben. Immer schön fest halten.

festhaltend

 

Und der Sportlehrer. Der war sehr ansehnlich.

Schöne Schule.
…grins…

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