Irgendwie meins

So. Mittwoch Abend. Ich sitze hier und denke mir: unglaublich. Es ist in der Tat manchmal nicht zu glauben.

Soll ich Euch sagen, dass die Resonanz, die ich hier auf meine Zeilen bekomme, überwältigend ist? Ja? Also, ihr Lieben: ich werde gelesen. Tatsache. Und anhand der Reaktionen, die ich von überall – Freund und Fremd – bekomme, sehe ich, dass ich es irgendwie schaffe, Menschen zu erreichen. Ich bin fasziniert. Wirklich. Mir sollte das gelingen? Ich? Anja aus dem Vogtland? Es ist aber so. Es gibt Momente, in denen kann ich dann nur immer wieder ungläubig mit dem Kopf schütteln.

Die Kommentare, E-Mails, Posts, short messages, PNs, die ich auf meine Blogeinträge erhalte, lassen MIR die Tränen kommen und mich gleich mal einen halben Meter höher schweben (…als sonst schon… ;-) ). Obwohl es ganz sicher um das traurigste Thema des Lebens – nämlich den Tod – geht, macht es mich einfach nur froh. Ich finde es schön. Bezaubernd.

Und gerade heute habe ich mir bewusst werden lassen und mir die Frage gestellt: Warum?

Ich glaube ja, dass ein sehr guter Freund mich vor einem Jahr aus reinem Selbstschutz genötigt hat, mal „anzufangen zu schreiben“. WOANDERS nämlich. Als mich immer nur mit seinem MailAccount unterhalten zu wollen. Es aufzuschreiben. Ich befürchte, ihm sind die Wörter manchmal dann doch ein ganz klein wenig (nur) zu viel geworden. Im Grunde merke ich nämlich gar nicht, wie viel ich so tippen kann. Ich sitze einfach vor meinem unglaublich schicken, einem Apfel gleichenden, tragbaren Computer mit leuchtender Tastatur und denke vor mich hin. Ach wie liebe ich das. Nächte kann ich damit verbringen (…und trotzdem absolut genügend Schlaf bekommen um erholt zu sein, liebe grenzenlos umsorgende Mutter eines dreiunddreißigjährigen Kindes). Und ohne großes Tamtam, ohne furchtbar umständliche Überlegungen gleiten meine Finger wie von selbst über die Buchstaben. Ehe ich so richtig einen objektiven Blick drauf werfe, ist dann auch mal locker die Seite voll. Oder zwei. Oh. Echt? Schon wieder so viel? Voll mit Gedanken, und Gängen, und Zusammenhängen oder Zusammenhangslosem. Wirrungen und Irrungen. Erlebnissen und Gefühlen. Erinnerungen. Begebenheiten. Eben lauter so Zeug, die in Gesamtheit das Leben beschreiben. Mein Leben. Manchmal fordernd. Und manchmal auch überfordernd. Selbst für mich. Also kanalisieren wir doch mal und bringen es auf den Punkt – nämlich in Form eines Blogs. Bitte Anja. Machst du das?

Na. Hmm. Meinst du? Okay.

Ich fand das ja schon etwas gewöhnungsbedürftig. So ganz für die Öffentlichkeit? Meine Sichtweisen? Meine privaten Wörter? Meine Gefühle und Erlebnisse? Wissend, dass theoretisch die ganze Welt drauf kucken kann, wenn sie denn möchte. Dass es Lob geben kann aber auch Kritik hageln? Schaffe ich das? Kann ich damit umgehen?

Heute an diesem Mittwoch Abend – fast ein Jahr später – sitze ich hier und bin einfach nur froh. Es hat mir wahnsinnig gut getan, aufzuschreiben. UNSERE Geschichte aber mit MEINEM Hintergrund. Mit meinem Erlebten. Eigentlich möchte ich die Zeit immer in Erinnerung behalten aber nicht unnötig belastend mit mir rumschleppen. Also archiviere ich es sorgsam hier. Manchmal mit Bedacht und manchmal nicht so sehr. Aber, so ist das Leben eben auch. Manchmal überlegt man reichlich und manchmal tut es man es einfach und schaut mal im Nachhinein, was passiert.

Irgendwie war es mir aber auch wichtig, Euch zu zeigen, wie es hinter den Kulissen aussah. Hinter dem noch ganz passablen, roten Vorhang. Wie sehr sich manchmal alles unterschied. Innen von außen und umgekehrt. Hey Anja – ist es wirklich so schlimm? Können wir gar nicht glauben. Oh doch, liebe Leute. Es war wirklich so schlimm. Ich mag ja in gewissen Situationen und Momenten eine leidenschaftliche „DramaQueen“ sein. Aber genau das war ich von 2009 bis 2011 nicht. Kein einziges Mal.
Hätte Kai das gewollt? Oder gut geheißen? Dass ich hier sein Leben, sein Leiden und Sterben so öffentlich mache? Oder die Familie? Und Freunde? Ist ja schließlich doch recht harter Tobak, den ich hier publiziere. Dessen musste und muss ich mir bewusst sein, wenn ich einen Blog ins Leben rufe. Auch noch diesen speziellen Blog. Ich schreibe reflektierend, rückblickend und gegenwärtig. Nicht zu Krankheitszeiten.

Kai kann zwar da oben von morgens bis abends gern die Augen, die himmelblauen,  verdrehen und Brauen anheben noch und nöcher, bis ihm das Gesicht davon weh tut, aber. Tja. Mehr eben auch nicht. Und manchmal – bei dem, was ich hier unten so fabriziere – ist das auch ganz gut so. Du da oben. Wir wissen es doch beide alles. Es ist okay. Ja. Das ist es. Und der Rest?

MEINE Gedanken.
MEINE Gefühle.
MEINE Erlebnisse.
MEIN Leben.
MEIN Leben mit Kai und Nils.
MEIN Leben ohne Kai mit Nils.
MEINE Konsequenz.

Irgendwie meins.

Alle, die ihr mich lest. Familie. Freunde. Enge und sehr enge Freunde. Bekannte. Verwandte. Entfernte Menschen. Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Kranke und Gesunde. Hinterbliebene und Angehörige. Einfach-nur-mal-so-vorbeischauende. Jedem. Ich danke Euch. Ich bedanke mich von ganzem Herzen mit einem strahlenden Lächeln auf den Lippen. Eines von ganz links bis ganz rechts.
Für jedes Wort. Für jede Träne. Für jedes Lachen. Für jeden Blick in meine Gedanken. Für jede Umarmung. Für Sprachlosigkeit. Für einen warmen Blick. Für gemeinsames Erinnern. Für gemeinsames Nachvornblicken. Für ein Heute, Hier und Jetzt. Für Gleichgesinntes. Für Verschiedenes und Gegenteiliges.
Ich danke Euch fürs Teilen und Teilhaben. Schlicht für ALLES!

Alles Liebe und gute Nacht!
Eure Anja

Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?“

Da antwortete er:
„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,da habe ich dich getragen.“

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2 Gedanken zu “Irgendwie meins

  1. Eigentlich wollte ich gestern schon schreiben. Aber es hat mir aus welchem Grund auch immer d. Sprache verschlagen und den Hals zu geschnürt.
    Deine Worte gehen einem schon sehr an die Nieren. Und nun fehlt es mir wieder …….

    1. Tanja, man muss nicht immer was sagen müssen. Liebe Grüße an die Nieren von mir – sie dürfen es sich von mir aus doch gut gehen lassen :-).
      Ganz liebe Grüße und bis sehr bald!
      Anja

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