Mal zwischendurch „Geht Dich gar nichts an!“

Zwischendurch bringe ich dann doch gern mal Aktuelles in meinem Blog unter.

Mein Sohn Nils. Ihr erinnert Euch? Sieben ist er, die zweite Klasse besuchend.

Heute gab es die Deutsch-Lernzielkontrolle zurück. Früher hieß das mal „Klassenarbeit“. Heute LZK. Die sogenannte unangekündigte, schriftliche Leistungskontrolle oder Kurzkontrolle aus meiner Kindheit heißt Ex – von Extemporale. Also, da könnte ich mich ja jetzt auslassen. Mach ich aber nicht. Von wegen, dass auch ICH erstmal wissen muss, wie die ganzen grammatikalischen Ausdrücke heutzutage heißen, die jetzt in den ersten Jahren verwendet werden. Ich versuchte meinem Kind beizubringen, dass es sich bei „der-die-das“ um Artikel handelt. Woher soll ich bitte wissen, dass das „Begleiter“ sind. Und so geht es am laufenden Band. Da muss die Mutter nochmal von vorn lernen.

Jedenfalls. Zurück zur LZK in Deutsch. Nils erwähnte es bereits am Freitag. Also Mama, ich glaub ich hab ne vier oder gar ne sechs. Langsam beschleicht mich der Verdacht, dass Nils wirklich und in echt gern mal eine echte schlechte Note kassieren möchte. Neulich saß er mit seinem Freund am Tisch: Du sag mal. Was war Deine schlechteste Note? – Also, meine war ne zwei und deine? – Ach, ich hatte schonmal eine Vier . – Die Mutter – also ich – schaltet sich ein: Nils, du hattest diese Zensur in KUNSTERZIEHUNG. Das zählt nicht. Also, jedenfalls nicht so richtig!

Ich muss sagen, dass ich in der künstlerischen Erziehung bisher nicht so punkten konnte. Aber, was solls. Wenn es nun einmal worauf NICHT ankommt, dann sind es die Noten in Kunst, Musik und WTG. Für alle nicht bayerischen Eltern. WTG = Werken/Textiles Gestalten. Aber Nils prahlt gern damit. Mit seiner Vier. Ich bin nunmal nicht so der Kunsttyp, meint er dann stolz. „Is scho recht.“ Wie der gemeine Franke zu sagen pflegt.

Also zurück zur LZK. In Deutsch. Letzten Endes: 27 von 28 Punkten. Aber, Hauptsache erstmal alle verrückt gemacht. Von wegen. Sehr ansprechend fand ich die Frage: Wie kann man überprüfen, ob ein Wort mit „d“ oder „t“ am Ende geschrieben wird. Antwort Nils:
mannferlengertes. Wer die Antwort richtig übersetzt, darf sie gern per Post an meine bekannte Adresse einsenden. Vielleicht gewinnt er einen Preis :-).

Beim täglichen Durchschauen der Schulunterlagen, ebenso auf der Suche, nach bereits lebenden Lebensmitteln, alten Flaschen, die irgendwie vergessen wurden, gebrauchten Papierchen und zusammengeknüllten Hausaufgabenheften (JUNGS!) sowie zieharmonikaähnlichen Schriftwerken fand ich einen Zettel. Eigentlich kaum mehr als solch einen zu erkennen. Tja. Ich bin nun mal DIE Mutter. Ich versuchte ganz vorsichtig das gute Stück zu rekonstruieren. Drauf stand: „Ich lieb dich Nils“. Süß. Also – Niiiihiils, kommst du mal? Nils kam und riss mir den Zettel aus der Hand.

Mama, das geht dich gar nichts an.

Nils, du kannst mir doch eh immer alles sagen. Hast du den Zettel wohl geschenkt bekommen?

Ja.

Von wem denn?

Geht Dich gar nichts an!

Hmm. Schade. Willst du es mir vielleicht ins Ohr flüstern?
(…ich bin schließlich die Mutter…wir MÜSSEN neugierig sein!)

Flüsternd: die Conny

Aha. Und. Nils. Bist du auch verliebt in die Conny?

Mama, neeeeeee. Die ist so eine Zicke! Das geht gar nicht.
Und überhaupt. Das geht dich gar nichts an.

Ha, hast du ne Ahnung. Mich geht mal grundsätzlich alles was an, SOLANG DU DEINE FÜSSE UNTER MEINEN TISCH STECKST :-).

Früher habe ich mir geschworen, diesen Satz niemals anzubringen. Ich befürchte, man kommt einfach nicht drumrum. Als Eltern. Wie so vieles anderes, was meinen seinen Kindern niemals antun wollte, wenn man selbst mal groß ist und Nachwuchs in die Welt gesetzt hat. Niemals würden wir unsere Kinder zeitig ins Bett stecken wollen, oder darauf achten, dass Hausaufgaben gemacht werden würden. Überhaupt – UNSERE Kinder dürfen mal IMMER machen, was sie WOLLEN. Definitiv!

Und jetzt…jetzt ertappe ich mich doch sehr oft, dass ich mich genauso verhalte, wie meine Mutter sich mir gegenüber damals verhalten hat. Ist es jetzt soweit? Werde ich tatsächlich alt? Schließlich…trotz allem…bin ich ja recht gut groß und erwachsen geworden. Also kann das gar nicht alles so furchtbar gewesen sein, oder? Und die gleichen Leiden. Ja diese Leiden muss mein lieber Nils auch durchmachen. Aber, er trägt es absolut mit Fassung. Wie schön.

Ebenso schlug ich das Religionsheft auf. Die Frage, die beantwortet werden solle, war, wofür Nils Gott dankt.
„Also, danke Gott dafür, dass du auf meinen Papa aufpasst. Und ich danke Dir, Gott, dafür, dass du mir beim Tore-Halten hilfst.“

Ich finde ja, dass zwei Welten aufeinander prallen. In diesen beiden Antworten. Aber, so sind sie. Die Kinder. Offen und ehrlich und vor allem unbedarft. Wesentlich mehr, als wir Erwachsene. Kinder machen das wirklich gut. Von Grund auf. Und wir Großen? Wir müssen uns in allem üben und uns anstrengen und über Schatten springen, über Wände klättern, uns von Mauern nicht aufhalten lassen, obwohl wir manchmal davor stehen und nicht wissen, wie das jetzt zu bewältigen sein soll.

Nehmen wir uns ein Beispiel. An den Kindern!

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