„Dann stell ich den Teller raus…

…Niklaus legt gewiss was drauf. Lustig, lustig, trallalalalallaaaaaaaaa….“

Nun, ich komme ja – wie bereits angedeutet – aus dem Vogtland. Das Vogtland liegt in Sachsen und dieser Freistaat gehört wiederum zu den neuen Bundesländern – sprich der ehemaligen DDR. Und in der DDR kam der Nikolaus in der Nacht vom 5. Dezember auf den 6.

Hier in Bayern kommt der gute Mann aber erst am 6. Dezember abends. Und zwar in leibhaftiger Person. Während UNSER Nikolaus in der Dunkelheit der Nacht unsichtbar ist. Dafür reist am Heiligen Abend das unsichtbar Christkind durch die Siedlungen in unserer Wahlheimat, während bei uns in Wernesgrün entsprechend der Weihnachtsmann leibhaftig anwesend zu Gange ist. Jetzt erkläre das mal einem Kind, das in Bayern geboren ist und aufwächst, aber nach den Traditionen der Eltern erzogen wird. Das ist ein ganz schönes Durcheinander, kann ich Euch sagen. Aber nein – ich halte eisern fest. An UNS.

Früher – als ich noch kein Kind hatte und andere verwöhnte Bälger sah, sagte ich immer: Nein – SO wird mein Kind mal nicht.!

Und was soll ich sagen? Es ist trotzdem so. Weil – es ist eben ein Kind. Da nehmen sie sich alle nichts. Wenns um Geschenke geht, kennen sie keine Gnade, keine Scham und erst recht keine Zurückhaltung.

Dieses Jahr ist es besonders durcheinander bei uns. Wir haben heute den fünften Dezember und bei Nils war bereits drei Mal der Nikolaus. Soll er das ehrlich verdient haben???!? Einmal der Nikolaus aus Auerbach, der bei Oma Annegret was abgegeben hat; am Samstag brachten dann meine Eltern das abgelegte Präsent mit und heute gelangte das Paket von (Ur)Oma Erika nach Stockau. Wie immer – viel zu viel! Heute allerdings beherbergte das Geschenk einen coolen Pyjama von Phineas & Ferb sowie eine Schwimm- und eine Taucherbrille. Die vorherigen hatten im Sommer sämtliche Geister aufgegeben. Nils‘ Kommentar: „Gar kein Spielzeug?“ Im Beisein meiner Großeltern. Klasse. Natürlich eine Enttäuschung für die Oma. Und ich? Ich bin erstmal an die Decke gegangen, ob des verwöhnten Kindes. Aber, was will man machen – bei drei Großelternpaaren. Das kann nur im Gerangel enden.

Ein Übermaß an Spielzeug tut nicht gut. Erst recht nicht, wenn man a) überhaupt nicht mehr weiß, was sich überhaupt alles in Kisten, Schubladen und Körben befindet und b) wenn es nicht in Ordnung zu halten ist. Oft hätte ich gut Lust, einfach alles auszuräumen und Nils‘ Spielzeug zuzuteilen. Um es wertschätzen lernen zu können. Aber. Es sind Kinder. Und keine Erwachsenen.

Dass dieser Fauxpas beim Weihnachtsmann nicht ein zweites Mal passiert, hat Nils sich gleich hingesetzt und jetzt doch noch einen Wunschzettel geschrieben. Bisher war er dazu nämlich zu faul und begründete das immer folgender Maßen: Mama, ich lass mich überraschen. Mir ist es egal, was ich geschenkt bekomme. Ich will auch nicht viel haben. Das passt schon so.

Ha – das ist mal eine glatte Lüge, mein liebes Kind! Der heutige Abend hat es eindeutig gezeigt. KINDER.

Was für ein Glück, dass ich aber restlos alles, was auf dem heute gezauberten Zettel steht, bereits besorgt oder an die entsprechenden vielfältig vorhandenen Großelternpaare verteilt habe. Ich kenn doch mein Kind und seine Wünsche ;-). Nur die Wii, XBox und „Tendo DS“ wird’s wohl nicht geben. Da weigere ich mich. Nach wie vor. Mal sehen, wie lange ich das durchhalten kann.

Und nun? Er wäre irgendwie ein Angsthase, wenn der Nikolaus oder der Weihnachtsmann kommt. Meinte er unter der Dusche. Er traut sich auch nicht heute Nacht auf Toilette, um IHM nicht zu begegnen. Wobei er eh nie muss – in der Nacht.

Mama – also – hmm – ach du sagst eh nein.
Was, denn Nils? Kannst mir’s ruhig sagen.
Also. Wo schläfst du heute Nacht?
Anmerkung der Redaktion: wo soll ich schon schlafen…in meinem Bett natürlich. Wie IMMER! Also…nein…sowas!
Na, in meinem Bett, warum?
Darf ich vielleicht bei Dir schlafen?

Nils liegt jetzt in meinem Bett…oder besser gesagt auf „seiner“ Seite. Papas Seite. Aber – eigentlich ist es jetzt mein Bett. Deswegen lieg ich auch immer quer und in der Mitte. Und die Tür musste offen bleiben. Das machen wir sonst nie. Aber heute – in DIESER Nacht geben wir den ganzen Ausnahmen eben mal eine Chance.

„Mama, kannst du meine Stiefel rausstellen? Ich trau mich nicht.“

Ich habe ihm aber so viel Mut zusprechen können, dass er die Treter doch selbst vor die Tür stellt.

Mama. Einer aus meiner Klasse sagt, der Nikolaus wären die Eltern
Ist nicht Dein Ernst. Ehrlich? Kann ich mir nicht vorstellen. Also ich? Ich bin definitiv kein Nikolaus.
Stimmt. Mama, das glaub ich auch. Dass du kein Nikolaus bist. Denn du würdest niemals mir so cooles Spielzeug kaufen, sondern immer nur was zum Anziehen.
Wo du recht hast, hast du recht, mein liebes Kind.
Und außerdem – ich würde es ja merken, wenn du dich heute Nacht einfach davon schleichst.
Aber sowas von. Niemals würde ich es wagen. Ich bin ja selbst froh, wenn ich liegen bleiben und schlafen kann.
Gute Nacht, Mama.
Gute Nacht, mein liebes Kind. Ich hab Dich lieb und schlaf schön!
Mama?
Ja
Wann kommst du ins Bett?
Später irgendwann.
Mama?
Ja
Kannst du eher kommen bitte?

Und jetzt. Jetzt gehe ich in den Keller und hole das versteckte Geschenk für Nils. Samt des Naschwerks. Ich weiß – er wird sich freuen. Eine lang ersehnte Lego-Figur wird im Stiefel stecken. Und ein Star Wars LEUCHTLICHT-Schwert.

Bald ist Nikolaus Abend da.

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